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GORDANA STEPANOVIĆ: Ein Leben zwischen verschiedenen Kulturen, Identitäten und Zugehörigkeiten

21. Sept.
5 Min. Lesezeit



Worüber wir selten sprechen: Das Leben in der Diaspora bringt oft tiefgreifende Veränderungen mit sich – in Bezug auf unsere Identität, unser Zugehörigkeitsgefühl und unser inneres Gleichgewicht. Ein neues Lebensumfeld, eine andere Sprache und veränderte gesellschaftliche Rollen können herausfordernd sein. Gleichzeitig eröffnen sie Raum für persönliches Wachstum und ein tieferes Verständnis für uns selbst.


Wenn Sie mehr über diese Erfahrungen erfahren möchten und darüber, wie ich Frauen, Paare und Familien dabei unterstütze, sich an einem neuen Ort ein Leben aufzubauen, sind die folgenden Zeilen für Sie.



Ich bin Gordana Stepanović, Psychologin, Familienberaterin und ICF-zertifizierter Coach. Derzeit lebe und arbeite ich in Berlin. Ich biete psychologische Beratung und Unterstützung für Frauen, Paare und Familien an. Mein besonderer Fokus liegt auf den vielfältigen Herausforderungen, die das Leben in der Diaspora für die psychische Gesundheit mit sich bringt.


Ich arbeite auf Serbisch, Kroatisch, Bosnisch oder, wie wir gerne sagen, „in unserer Sprache“ sowie auf Englisch. Und ich glaube fest daran, dass ich mich bald auch trauen werde, auf Deutsch zu arbeiten. Meine Beratungen finden persönlich in Berlin und online statt. So kann ich Menschen unabhängig davon unterstützen, in welchem Teil der Welt sie leben.


Im Laufe der Jahre durfte ich mit Klientinnen und Klienten aus Deutschland, Österreich, Norwegen, Frankreich, Spanien, den USA und Japan zusammenarbeiten – um nur einige Länder zu nennen. Dabei habe ich festgestellt, dass sie trotz unterschiedlicher Lebensumstände im Kern ähnliche Fragen beschäftigen: Wie finde ich ein Gefühl der Zugehörigkeit? Wie bewahren wir Nähe in unseren Beziehungen angesichts alltäglicher Verpflichtungen und der Herausforderungen des Elternseins? Wie überwinde ich einen Burnout? Und wie bleibe ich mit mir selbst verbunden, während ich mir in einer neuen Umgebung ein Leben aufbaue?


In der Zusammenarbeit ist mir wichtig, dass meine Klientinnen und Klienten eine Verbindung aus Fachkompetenz, Wärme, Unterstützung und Authentizität erleben. Sie sollen spüren, dass ich nicht nur eine Psychologin bin, die mit Menschen in der Diaspora arbeitet – ich bin selbst eine von ihnen. Hinter meiner Arbeit stehen persönliche Erfahrungen und meine eigene Lebensgeschichte. Wie sie bin auch ich Mutter, Ehefrau, Tochter und Schwester. Ich habe selbst den Weg des Auswanderns erlebt, und das mehrmals in meinem Leben. Vielleicht suche auch ich noch immer nach einem Ort, an dem ich mich ganz zu Hause fühle.


Meine eigene Migrationsgeschichte begann lange bevor ich mich für diesen Beruf entschied. Ich verließ Kroatien als Kind – eine sehr schmerzhafte Geschichte und eine Erfahrung, die mich tief geprägt und in gewisser Weise geformt hat. Neben Kroatien habe ich in Serbien und Südkorea gelebt; heute lebe ich in Deutschland.


Ich bin in verschiedenen Lebensphasen umgezogen: als Kind, als junge Frau und später als erwachsene Frau, Ehefrau und Mutter. Jede Veränderung brachte andere Herausforderungen mit sich. Ich wechselte Schulen, Städte, die Sprache und mein soziales Umfeld. So lernte ich sehr früh, wie es sich anfühlt, die Neue in einer Gruppe zu sein; Regeln verstehen zu wollen, die alle anderen längst kennen; einfach dazugehören zu wollen und gleichzeitig zu spüren, dass man sich in irgendeiner Weise unterscheidet.


Heute bin ich für all diese Erfahrungen dankbar. Denn ich weiß, dass sie meinen beruflichen Weg entscheidend geprägt und mir ein tiefes Verständnis für die Herausforderungen gegeben haben, die ein Umzug in ein neues Land mit sich bringt.



„Das Leben zwischen verschiedenen Kulturen ist nicht nur eine Reise von einem Land in ein anderes, sondern eine emotionale Achterbahnfahrt, auf der du lernst, dich selbst besser zu verstehen. Oder, wie Anita Desai es ausdrückte: ‚Wohin du auch gehst, es wird auf irgendeine Weise ein Teil von dir.‘“



Obwohl meine Geschichte als Unternehmerin weder mit einem großen Plan noch mit dem klaren Entschluss begann, eines Tages selbstständig zu sein, habe ich das Gefühl, dass mich jeder Schritt dorthin geführt hat, wo ich heute stehe: die langjährige Arbeit mit Menschen, berufliche Weiterbildungen und meine persönlichen Erfahrungen in unterschiedlichen Ländern und Kulturen.


Ja, es war eine natürliche Entwicklung. Der Umzug nach Deutschland, unsere familiäre Situation, mein Mann und ich, erst ein Kind, dann das zweite – all das ließ das Bedürfnis nach mehr Flexibilität wachsen. Gleichzeitig wurde mein Wunsch immer stärker, meine Arbeit so zu gestalten, dass sie meinen Werten entspricht.


Wenn ich heute zurückblicke, gab es zwar keinen einzelnen entscheidenden Moment, sondern vielmehr dieses Zusammenspiel aus beruflichen Wünschen, Lebensumständen und dem Gefühl, Menschen etwas Wertvolles geben zu können, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen wie ich damals. Dennoch gab es eine Nachricht, die mir die Augen öffnete und die ich in diesem Moment als Zeichen verstand, dass es Zeit war, aktiv zu werden.


Während der Pandemie meldete sich eine junge Frau mit einer Nachricht, die wie ein Hilferuf klang: „Können wir einen Termin vereinbaren? Bitte helfen Sie mir. Ich bin am Ende meiner Kräfte und weiß nicht, was ich tun oder wohin ich mich wenden soll.“


Nur wenige Worte, und doch steckten darin so viel Hilflosigkeit, Angst und das Bedürfnis nach Unterstützung. Ich spürte deutlich, wie wichtig es ist, dass Menschen jemanden haben, an den sie sich wenden können, wenn sie selbst keine Antworten mehr finden. Das war nicht der Beginn meiner beruflichen Tätigkeit, aber es war der Moment, in dem ich fühlte: Jetzt geht es wirklich los.


Natürlich war der Anfang alles andere als leicht. Wie viele andere, die sich in einem fremden Land selbstständig machen, stand auch ich vor zahlreichen Herausforderungen. Obwohl ich jahrelange Erfahrung in der Arbeit mit Menschen hatte und auf mein Fachwissen vertraute, brachte das Leben in einem neuen Land Momente mit sich, in denen ich mich wieder wie eine Anfängerin fühlte. Es braucht Zeit, sich in einem neuen System zurechtzufinden, Verwaltungsabläufe zu verstehen, ein berufliches Netzwerk aufzubauen und im neuen Umfeld Sicherheit zu gewinnen.


Die größte Herausforderung war für mich zweifellos das Marketing, insbesondere die Sichtbarkeit. Es klingt vielleicht erstaunlich, aber ich bin ein Mensch, dem Privatsphäre sehr wichtig ist. Bevor ich mein berufliches Profil erstellte, hatte ich nicht einmal einen Instagram-Account. Die Vorstellung, öffentlich über meine Arbeit zu sprechen, Inhalte aufzunehmen und in sozialen Medien präsent zu sein, war mir völlig fremd und sogar unangenehm. Mich auf diese Weise öffentlich zu zeigen, war ein gewaltiger Schritt aus meiner Komfortzone.


Trotzdem bestätigte mir jeder Schritt nach vorn, dass ich auf dem richtigen Weg war. Denn meine größte Motivation sind keine Zahlen, sondern Menschen und die alltäglichen Erfolge meiner Klientinnen und Klienten: ihr Lächeln, die Nachrichten, die sie mir schicken, wenn sie die Ergebnisse unserer gemeinsamen Arbeit in ihren Alltag übertragen, und die vielen kleinen, so bedeutsamen Fortschritte, die wir gemeinsam feiern.


All das gibt meiner Arbeit Sinn. Denn ich weiß, dass unsere Gespräche für manche der einzige Raum sind, in dem sie sich gesehen und unterstützt fühlen, Wärme und fachliche Kompetenz erfahren und ganz sie selbst sein dürfen.


Heute, da meine Selbstständigkeit wächst und sich weiterentwickelt, sind die Herausforderungen andere als am Anfang. Meine Familie bleibt mein Antrieb und meine höchste Priorität. Deshalb beschäftige ich mich derzeit viel stärker mit der Frage, wie ich ein gesundes Gleichgewicht zwischen Berufs- und Privatleben bewahren kann. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Erfolg wenig Sinn hat, wenn wir ihn auf Kosten der Beziehungen erreichen, die uns am wichtigsten sind.


Deshalb messe ich Erfolg heute weder an Zahlen noch an beruflichem Wachstum. Entscheidend ist für mich, eine Arbeit ausüben zu können, die ich liebe – auf eine Weise, die meinen Werten und meiner aktuellen Lebensphase entspricht.


Zum Abschluss möchte ich sagen: Ein Umzug in ein anderes Land stellt uns unweigerlich auf viel mehr Arten auf die Probe, als wir uns zu Beginn dieses Weges vorstellen können. Doch gerade in den Herausforderungen, die uns an unsere Grenzen bringen, dürfen wir uns von unserem eigenen Mut, unserer Anpassungsfähigkeit und unserer Stärke überraschen lassen.


Denn das Leben zwischen verschiedenen Kulturen ist nicht nur eine Reise von einem Land in ein anderes. Ich würde sagen, es ist eine Reise zu uns selbst. Irgendwo zwischen all diesen Veränderungen entdecken wir oft Seiten an uns, die wir ohne diese Erfahrung vielleicht nie kennengelernt hätten.



KONTAKT

Gordana Stepanović

Ort: Berlin

Gordana Stepanović – deine Psychologin in der Diaspora

Instagram: psiholoska_podrska_u_dijaspori

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